Das Utopisch-reale Elterngespräch Mit Einer Lehrerin

Mein Name ist für Sie eine Zumutung. Ich sehe es an Ihrem Blick, und ich merke es auch an der Art, wie Sie mit mir reden. Es bereitet Ihnen Unbehagen, auf mich zuzukommen, und in Gedanken setzen Sie Ihre netteste Fassade auf, um die Güte in Person zu spielen. Das ist okay, ich habe auch meine Fassade.

Und doch möchte ich Ihnen sagen, was ich mir von Ihrer Schule wünsche. Von dieser Schule. Ich wünsche mir eine Schule, in die alle gern gehen. Die Kinder in erster Linie, aber auch die Erwachsenen. Die Lehrpersonen, die Schulleiterin, die Reinigungskräfte, die Abwärtin und der Abwart, die Sekretariatsmitarbeitenden. Alle Eltern aller Kinder.

...

Ich gebe zu, meine Gefühle Ihrer Schule gegenüber sind ambivalent. Es ist schwierig zu beschreiben: Warum sage ich überhaupt Ihre Schule? Ist sie nicht genauso meine Schule, unsere Schule – einfach die Schule, die dafür sorgt, dass alle Kinder eine gute Bildung erhalten?

Ich weiss nicht, wo genau ich den Finger draufdrücken kann. Aber ich bin ehrlich. Ja, ich will ehrlich sein mit Ihnen. Ich möchte nicht, dass Sie denken, ich sei das Exotische, das erklärt werden müsse, oder ich sei die arme Person, die es zu verstehen oder zu verteidigen gilt. Ich möchte auch nicht, dass wir so tun, als hätten wir keine Differenzen, denn die haben wir. Meine Geschichten unterscheiden sich von Ihren.

Ich habe das Gefühl, meine Kinder in eine fremde Schule zu geben. Obwohl ich selbst in genau dieselbe Schule gegangen bin. Die Schule von damals hatte mich wie eine Fremde behandelt und so zu einer Fremden gemacht. Und so fühle ich mich immer noch, wenn ich die Schule von heute, jetzt die Schule meiner Kinder betrete. Es ist eine Schule, die Sie auf eine eigentümliche Art verteidigen wollen – gegen Menschen wie mich und gegen alles, was wir mitbringen.

...

Sie kommen mir entgegen und hören nicht, dass ich genauso Ihre Sprache spreche.  («Sie ist ja nicht Ihre Sprache alleine, wir sprechen doch unsere gemeinsame Sprache!», möchte ich am liebsten entgegnen).

Sie sehen mich nicht als Ihren Mitmenschen, sondern als Eindringling in Ihre Schule, Ihre Welt. Sie erkennen nicht, dass wir die Welt teilen und dass Ihre Schule, wie Ihre Sprache auch, unsere gemeinsame Schule, Sprache und unsere gemeinsame Welt ist.

Ich weiss nicht, wo der Finger draufzudrücken ist.

Ich wünsche mir eine Schule, die genauso gerne lernt, wie sie lehrt. Die fähig ist, zuzuhören, zu trösten, und die das Füreinander-da-sein schätzt. Die versteht, dass es keine Grenzen gibt, wenn es um den gemeinsamen Raum geht.

Von Ihnen wünsche ich mir die Einsicht, dass Sie nicht wissen können, wer ich bin, wenn Sie nicht offen auf mich zukommen und mir zuhören. Und ich wünsche mir von Ihnen, dass Sie die Bilder, die Sie von mir haben, auf die Seite legen. Ich wünsche mir die Anerkennung, dass wir uns im gleichen Raum befinden und diesen gleichberechtigt teilen.

Ich wünsche mir von und für uns, dass wir uns als Gemeinschaft verstehen.

Dieser gemeinsame Raum, das ist die Schule, der Alltag und unser aller Leben. Alle Geschichten dieses Lebens – Ihre, meine, andere – sollen genau gleich viel Platz haben in dieser Schule, die nicht Ihnen allein gehört.

Ich wünsche mir von und für uns, dass wir uns als Gemeinschaft verstehen. Und uns im gemeinsamen Raum der Schule auch so begegnen – ohne Fassade, aber mit echtem Respekt.

*Mila, Mutter

Mein Name ist für Sie eine Zumutung. Ich sehe es an Ihrem Blick, und ich merke es auch an der Art, wie Sie mit mir reden. Es bereitet Ihnen Unbehagen, auf mich zuzukommen, und in Gedanken setzen Sie Ihre netteste Fassade auf, um die Güte in Person zu spielen. Das ist okay, ich habe auch meine Fassade.

Und doch möchte ich Ihnen sagen, was ich mir von Ihrer Schule wünsche. Von dieser Schule. Ich wünsche mir eine Schule, in die alle gern gehen. Die Kinder in erster Linie, aber auch die Erwachsenen. Die Lehrpersonen, die Schulleiterin, die Reinigungskräfte, die Abwärtin und der Abwart, die Sekretariatsmitarbeitenden. Alle Eltern aller Kinder.

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Ich gebe zu, meine Gefühle Ihrer Schule gegenüber sind ambivalent. Es ist schwierig zu beschreiben: Warum sage ich überhaupt Ihre Schule? Ist sie nicht genauso meine Schule, unsere Schule – einfach die Schule, die dafür sorgt, dass alle Kinder eine gute Bildung erhalten?

Ich weiss nicht, wo genau ich den Finger draufdrücken kann. Aber ich bin ehrlich. Ja, ich will ehrlich sein mit Ihnen. Ich möchte nicht, dass Sie denken, ich sei das Exotische, das erklärt werden müsse, oder ich sei die arme Person, die es zu verstehen oder zu verteidigen gilt. Ich möchte auch nicht, dass wir so tun, als hätten wir keine Differenzen, denn die haben wir. Meine Geschichten unterscheiden sich von Ihren.

Ich habe das Gefühl, meine Kinder in eine fremde Schule zu geben. Obwohl ich selbst in genau dieselbe Schule gegangen bin. Die Schule von damals hatte mich wie eine Fremde behandelt und so zu einer Fremden gemacht. Und so fühle ich mich immer noch, wenn ich die Schule von heute, jetzt die Schule meiner Kinder betrete. Es ist eine Schule, die Sie auf eine eigentümliche Art verteidigen wollen – gegen Menschen wie mich und gegen alles, was wir mitbringen.

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Sie kommen mir entgegen und hören nicht, dass ich genauso Ihre Sprache spreche.  («Sie ist ja nicht Ihre Sprache alleine, wir sprechen doch unsere gemeinsame Sprache!», möchte ich am liebsten entgegnen).

Sie sehen mich nicht als Ihren Mitmenschen, sondern als Eindringling in Ihre Schule, Ihre Welt. Sie erkennen nicht, dass wir die Welt teilen und dass Ihre Schule, wie Ihre Sprache auch, unsere gemeinsame Schule, Sprache und unsere gemeinsame Welt ist.

Ich weiss nicht, wo der Finger draufzudrücken ist.

Ich wünsche mir eine Schule, die genauso gerne lernt, wie sie lehrt. Die fähig ist, zuzuhören, zu trösten, und die das Füreinander-da-sein schätzt. Die versteht, dass es keine Grenzen gibt, wenn es um den gemeinsamen Raum geht.

Von Ihnen wünsche ich mir die Einsicht, dass Sie nicht wissen können, wer ich bin, wenn Sie nicht offen auf mich zukommen und mir zuhören. Und ich wünsche mir von Ihnen, dass Sie die Bilder, die Sie von mir haben, auf die Seite legen. Ich wünsche mir die Anerkennung, dass wir uns im gleichen Raum befinden und diesen gleichberechtigt teilen.

Ich wünsche mir von und für uns, dass wir uns als Gemeinschaft verstehen.

Dieser gemeinsame Raum, das ist die Schule, der Alltag und unser aller Leben. Alle Geschichten dieses Lebens – Ihre, meine, andere – sollen genau gleich viel Platz haben in dieser Schule, die nicht Ihnen allein gehört.

Ich wünsche mir von und für uns, dass wir uns als Gemeinschaft verstehen. Und uns im gemeinsamen Raum der Schule auch so begegnen – ohne Fassade, aber mit echtem Respekt.

*Mila, Mutter

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