Burger
Chancengleichheit und Diversitätssensibilität
Wenn eine Lehrperson sich sichtbar und aktiv für Chancengerechtigkeit einsetzt, kann dies für Schüler*innen wie auch für Eltern vertrauensbildend wirken. Schüler*innen erfahren oftmals, dass nicht interveniert wird, wenn diskriminierende Äusserungen fallen, und sie vermissen das couragierte Handeln von Lehrpersonen. In den folgenden Texten lassen sich Beispiele für diese Themen finden, die zum Nachahmen inspirieren können.

Für Lehrpersonen ist der Referenzrahmen mit der Erklärung der Erziehungsdirektor*innen-Konferenz (EDK) von 1991 zu Rassismus und Schule sowie dem Recht auf Diskriminierungsfreie Bildung (UNO-Kinderrechtskonvention, ratifiziert 1997) abgesteckt.

Chancengleichheit meint aber nicht in jedem Fall, zur selben Zeit alle gleich zu behandeln oder allen dasselbe zuteil kommen zu lassen. Damit alle Kinder die gleichen Chancen haben, brauchen sie verschiedene Zuwendungen und Förderungen, welche die gesellschaftliche Diversität und damit einhergehende unterschiedliche Ausgangslagen und Ressourcen berücksichtigen. (vgl. Wolf Hupf und Benjamin Edelstein, 2018)
Es ist für Schüler*innen mit Erfahrungen der Diskriminierung und des Otherings essentiell, darüber sprechen zu können. Dadurch können sie ihre Erlebnisse besser einordnen und diese als ein gesellschaftliches – und nicht als persönliches – Problem einstufen. Das hilft dabei, sich nicht als Person in Frage stellen und an sich selber zweifeln zu müssen (NRMZ, ohne Datum). Das Sprechen über Diskriminierung und Ausschlusserfahrungen mindert zwar nicht ihre Erfahrung, kann aber massgeblich dazu beitragen, dass die Schüler*innen eine förderliche und selbstbewusstere Entwicklung durchlaufen können.

Der EDK-Bericht «Chancengerechtigkeit im Bildungswesen» verweist darauf, dass es zur Behandlung der komplexen Rassismusthematik äusserst wichtig ist, dass diese nicht nur von einzelnen Lehrpersonen oder in singulären Veranstaltungen aufgegriffen, sondern von der ganzen Schule und Schulleitung getragen werden. Zudem brauche es eine antirassistische und diversitätssensible Haltung, welche den ganzen Schulalltag nachhaltig präget (Haenni Hoti, 2015).

In den Texten (z.B. in «Die Stimmen der Vielen - ein Manifest» und «Eine Schule, wie wir sie brauchen“) wird ersichtlich, dass die Schüler*innen mit familiärer Migrationsgeschichte und Rassismuserfahrung wissen, wie eine chancengleiche Schule aussehen könnte und was für eine Schule sie sich wünschen. Man muss nur zuhören und ihre Stimmen ernst nehmen.


Mögliche Leitfragen:

- Wo und wie zeigt sich diversitätssensibles Handeln in den Texten?
- Welche Erwartungen und Wünsche haben die Erzähler*innen in Bezug auf die Diversitätssensibilität der verschiedenen Akteur*innen?  
- Wie können Bezugspersonen ihre Diversitätssensibilität erhöhen?
- An was können die Schüler*innen erkennen, dass ihre Lehrperson diversitätssensible ausgebildet ist?



--- Haenni Hoti, Andrea (Hrsg.).) Bericht der EDK - Schweizerische Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren (2015). Chancengerechtigkeit im Bildungswesen – Migrationshintergrund und soziale Herkunft im Fokus. Bern.
--- NRMZ Nürnberger Menschenrechtszentrum e.V. (undatiert) www.diskriminierung.menschenrechte.org, aufgerufen am 12.4.2021
--- EDK - Schweizerische Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren (1991). Rassismus und Schule. edudoc.ch, aufgerufen am 7.5.2021
--- Hupf, Wolf und Edelstein, Benjamin (2018). Chancengleichheit zwischen Anspruch und Wirklichkeit. www.bpb.de, aufgerufen am 7.5.2021